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"Zum
Fortbildungsurlaub ging´s nach Jamaika", CD-Review
Wiesbadener Kurier, 05.02.2003
Zehn Jahre im Dienst von Ska und Reggae: Die Wiesbadener Band
Dubplate48 stellt ihre CD "Night In Kingston" vor. Von
JuLe-Redaktionsmitglied Sascha Kircher.
Als Bandleader Jan Fischer vor ein paar Jahren die Karibik-Insel
Jamaika besuchte, empfahl ihm ein Busfahrer, die Nacht in einem
Stundenhotel zu verbringen. Das wär für einen
Toursiten der sicherste Ort in Kingston, der Bandenkriegen,
Drogenkriminalität und Armut geprägten Hauptstadt des
Reggae-Mutterlandes. Die Nacht hat offensichtlich einen bleibenden
Eindruck hinterlassen. "Night In Kingston" heißt die neue CD,
die Dubplate48 am kommenden Freitag im Schlachthof vorstellen.
Bis dahin war es ein langer Weg. Los ging´s 1993:
Über die Roller-Szene zur Ska-Musik gekommen, gründet
Jan mit Gleichgesinntenaus Wiesbaden und dem Main-Taunus-Kreis die Band
Somersault. Es folgen Auftritte in der ganzen Republik und im Ausland,
zwei (mittlerweile vergriffene) CDs, diverse gewonnene Bandwetbewerbe
und Sampler-Beiträge sowie Gigs mit Ska- und
Reggae-Größen wie Laurel Aitken, Burning
Spear, Bad Manners oder Dennis Brown. "In der Ska-Szenewurde man als
etablierte Band herumgereicht und hatte beste Kontakte", erinnert sich
Jan, 27 Jahre alt und heute Sänger. Nachdem allerdings mehrere
Bandmitglieder ausstiegen, wurde es Zeit für einen Einschnitt.
Den Ausschlag gab der Rechtsstreit um den Namen vor knapp zwei
Jahren: Einige Fans staunten nicht schlecht, als sie "Somersault" auf
MTV im Duett mit Xavier Naidoo sahen. Dabei handelte es sich allerdings
um ein Projekt des Comedian Michael Mittermeier. "Der Namenswechsel
brachte uns dann auch finanzielle Probleme", betont Claus Weyrauther.
Der 23-jährige war als Quereinsteiger hinzugekommen und spielt
heute Keyboard bei D48. Das neue Album (Anspieltipp u.a. der
Titeltrack) beschränkt sich nicht nur auf schnelle Offbeats,
vielmehr bekommen relaxte Roots-Klänge, Dub- und
Dancehall-Sounds ebenso ihr Recht eingeräumt. Die CD, die in
1000er-Auflage erscheint, wurde im Hohensteiner "Eckton-Studio"
aufgenommen, in Eigenregie produziert und abgemischt. "Ich
weiß gar nicht so genau, ob wir überhaupt eine
Plattenfirma suchen", sagt Jan. So dauerte das Ganze dann etwas
länger, schließlich gehen die sieben Musiker, im
Durchschnitt Mitte 20, vorrangig Beruf beziehungsweise Studium nach.
Jan, CLaus und Trompter Kai Schoppe betreiben nebenbei die
Website "Inspector Dread", die über Reggae,
aber auch generell Kultur, Geschichte und Alltag Jamaikas informiert.
Zur Recherche bereisten sie die Insel mehrfach. "Eine intensive
Erfahrung mit sehr viel Feeling", sagt Claus noch heute.
"Plötzlich erlebst Du Polizeiwillkür, von der Bob
Marley gesungen hat, am eigenen Leib." So gesehen waren die Reisen
dorthin quasi "Fortbildungsurlaub". Lernen können die Jungs
aber auch von ihrem Gitarristen Thomas Bär, mit 49 Jahren
"Methusalem" der Band: "Der hat sich 1975 im Erscheinungsjahr die
Marley-Scheibe ´Exodus´ gekauft", erzählt
Jan mit leuchtenden Augen. "In dem Jahr wurde ich geboren!".
(Text: Sascha Kircher, Foto: Fisherman) |
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